Text von Ole Holgerssohn / Archivfoto von Dana Hohmann

Der BSV 93 Magdeburg hat vor heimischer Kulisse tragisch beide Punkte in der Sachsen-Anhalt-Liga männliche Jugend C liegen gelassen. Die TSG Calbe siegte am Samstag (10.12.2016) mit einem Tor Vorsprung 23:24 (12:10). Da Verfolger USV Halle am Wochenende ebenso patzte, verbleibt der BSV 93 mit 18:4 Punkten weiterhin auf Tabellenrang zwei 2 hinter dem nach wie vor tadellosen SCM. Die TSG Calbe konnte sich mit ihrem Auswärtssieg von Platz 8 auf den sechsten Rang verbessern.

Beide Teams fanden eher zäh ins Spiel. Der BSV ging zwar erwartungsgemäß nach nur 45 Sekunden erstmals in Führung und konnte diese nach gut fünf Minuten komfortabel auf 5:1 ausbauen. Dann aber drehte Calbe leicht auf und überraschte mit bisweilen brillantem Konterspiel. So schien es nur allzu logisch, dass es nach elf Minuten den 5:5-Ausgleich durch einen 7-Meter-Treffer der Calbenser geben musste. Der BSV ging zwar schnell erneut in Führung, konnte sich aber längst nicht mehr von den Gästen lösen und rettete den Vorsprung mit 12:10 mehr schlecht als recht in die Halbzeit.

Die zweiten 25 Minuten begannen mit einem Tor für Calbe. Wer aber glaubte, spätestens dies müsste als Weckruf bei den eigentlich als kampfstark und siegeshungrig bekannten Magdeburger Jungs ankommen, sah sich getäuscht. Ungenaue Pässe, verstolperte Bälle, Pfostenknaller, finale Würfe zu lasch und direkt in die Arme des Schlussmannes. Der BSV fand einfach nicht die Rezeptur für einen Sieg. Fünf Minuten vor Spielende war Calbe auf drei Tore zum 20:23 davongeeilt.

Und so hatten die letzten fünf Minuten das Zeug zum Krimi. Der Auftakt: Calbe nahm eine Auszeit, mit dem Wiederanpfiff fingen sich die zu diesem Zeitpunkt zum Knistern übermotivierten Gäste jedoch eine erste Zeitstrafe. Der BSV antwortete mit einem Tor zum 21:23. Der Konter von Calbe landete in den Armen eines glücklichen BSV-Schlussmannes. Dann eine Herausstellung gegen den BSV – die sechste (!) gegen Magdeburg insgesamt – und ein Tor für Calbe zum 21:24.

Herausstellung Nummer drei binnen weniger Minuten ging wieder gegen Calbe. Den Strafstoß erhielt der BSV – er brachte das 22:24. Nur wenige Sekunden später das Anschlusstor zum 23:24. Genaue Spielzeit 49:27 Minuten.

Die Sensation lag in der Luft. Die Halle tobte. Calbe nahm eine letzte Auszeit. Was könnte in den verbleibenden 33 Sekunden alles passieren? Der BSV spielte an, in den Schlusssekunden dann der finale Wurf aus eigener Hälfte auf das Calbe-Tor – nur wenige Zentimeter außerhalb des rechten oberen Dreiecks. Vorbei! Die 23:24-Niederlage für den BSV 93 war besiegelt. Der Jubel bei Calbe über den Auswärts-Arbeitssieg schien grenzenlos. Groß auch die Enttäuschung bei den BSV-Spielern über eine selbst vertane Chance. Das Spiel hatte nicht verloren gehen müssen, schien die einhellige Meinung zu sein.

Das Spiel wurde erstens und zweitens nicht verloren, weil nicht alle Spieler des Kaders verfügbar waren. Entscheidender waren Motivation, Selbstvertrauen und Entschlusskraft der aufspielenden Jungs. Doppelt ärgerlich musste an solch einem Tag machen, dass es mit sechs Herausstellungen wegen unsportlichen Verhaltens so viele Zeitstrafen gegen den BSV gab wie in keinem jüngeren Liga-Spiel zuvor. In der Unterzahl hatte der BSV unter anderem den ersten Ausgleich für Calbe zum 5:5 gefangen. In der zweiten Halbzeit bei zwei BSV-Herausstellungen fast im Doppelpack und damit in Summe vier Minuten Unterzahl hatte Calbe von einem 15:15-Stand auf 17:20 davoneilen können.

Auch bei den Tormännern lagen Glück und Unglück nah beieinander. Calbe hatte im Spielverlauf sieben (!) Strafwürfe zuerkannt bekommen. Zwei davon wurden aber von den BSV-Keepern filmreif weggefangen. In der entscheidenden Schlussphase dann aber war es wie verhext. Bei drei Calbe-Bällen in Folge war der Tormann genau zur richtigen Zeit an richtigen Platz und damit jeweils am Ball dran, konnte ihn aber nicht festmachen. Das Runde rettete sich jeweils ins Eckige.

BSV-Aufstellung laut Spielbericht: Matti Bittmann, Ole Paech – Jonas Ahmed (1), Julian Gebe (5), Michel Hohmann, Kenneth Imm (10 – 2), Vincent Kruggel, Laurin Rockmann (4), Jonas Wölkerling (3). Trainer und Betreuer: Jens Ziegler, Dirk Heine, Sabine Knoblauch.