Im Magdeburger Ortsderby muss BSV 93 dem Post-Team dann doch beide Punkte lassen 
Text von Ole Holgerssohn / Fotos von Dana Hohmann

Die Sensation lag in der Luft. Um Haaresbreite hätte der BSV 93 Magdeburg das Ortsderby am Sonntag (27. November 2016) gegen die Post SV Magdeburg zumindest mit einem Remis beenden können. Etwa zwei Minuten vor Ende der Partie in der Nordliga männliche Jugend C sah es ganz danach aus. Dem BSV 93 gelang der 27:27-Augleich. Doch nur wenige Sekunden später warf Post zum 28:27-Endstand (14:13). Beide Punkte waren damit für den BSV 93 futsch. Die Olvenstedter führen weiterhin auf Rang 6 die zweite Hälfte der Tabelle an. Post rangiert in der Spitzengruppe hinter dem SCM und dem punktgleichen Team aus Barleben auf Position drei.
Einhellige Meinung von Trainer und Beobachter nach 50 Spielminuten: Die Jungs des BSV haben sich teuer verkauft. Sie boten eines ihrer besten Spiele der Saison. Als würden sie für ihren Chef-Trainer Jens Ziegler gespielt haben, der krank das Bett hüten musste. Ein Unentschieden wäre auch vor diesem Hintergrund nicht nur wünschenswert, sondern auch durchaus sportlich gerecht gewesen.
Aber der Reihe nach: Vor allem die ersten 25 Minuten gehörten klar dem BSV. Post, als Favorit nach Olvenstedt gekommen, fand nur bedingt in sein Spiel. Der BSV ging nach 1:42 Minuten mit 1:0 in Führung und legte wenig später mit dem 2:0 nach. Erst in der 6. Spielminute gelang Post mit dem 3:3 der erste Ausgleich. In der Folge ging es hin und her. Dem Tor auf der einen Seite folgte ein Treffer auf der anderen. So stand es in der 15. Minute folgerichtig 8:8.
Post zeigte Nerven und nahm seine erste Auszeit. Für den BSV schien das so etwas wie ein Signal zur Attacke zu sein. Fünf Tore in Folge ließen die Halle toben und das Zwischenergebnis nach 20 Spielminuten auf sensationelle 13:8 für den BSV hochschnellen. Würde es ein Wunder geben können? In den verbleibenden fünf Minuten bis zur Pause wurde das zarte Pflänzchen mit Namen Vorsprung weitgehend zertrampelt. Post warf fünf Tore, der BSV – besonders tragisch – verwarf einen 7-Meter. So konnte der BSV gerade noch einen hauchdünnen 14:13-Vorsprung in die Halbzeit retten.
So richtig Fahrt nahm das Unheil dann zu Beginn der zweiten Halbzeit auf. Und es ging blitzschnell: Post glich zum 14:14 aus, der Gegenangriff des BSV ging daneben. In der 26. Minute dann die 15:14-Führung für Post. Doch noch ließ sich der BSV nicht abschütteln. Stattdessen wieder fast ausgeglichen Tore auf beiden Seiten. Nach 34 Minuten stand es 21:21. Dann wurde es hektisch. Herausstellungen auf beiden Seiten. Post nahm fünf Minuten vor dem Abpfiff beim Stand von 26:25 zu seinen Gunsten noch einmal eine Auszeit. Der BSV antwortete mit einem cool verwandelten 7-Meter. Dann 1:53 Minuten vor Schluss der 27:27-Ausgleich, geworfen von Dominic. Würde der Favorit in die Knie gehen? Nein! Das Wunder blieb aus. Post warf noch ein Tor und Schluss.
Übrigens: 16 der 28 Tore und damit mehr als di e Hälfte aller Treffer für Post warf allein ein Spieler. Zugespitzt könnte man meinen, Post – das war ein Spieler: Zwei Köpfe größer als alle anderen, zupackend, Kader der Sachsen-Anhalt-Auswahl – und das zurecht. Selbst ein Pulk von drei BSV-Spielern konnte nichts ausrichten. Die NUmmer 50 spielte – neutral betrachtet – einfach abgezockt. Richtig bleibt aber auch: Einige der Aktionen der Nummer 50 vor dem BSV-Kasten rochen verdammt nach höchst unfairem Stürmerfoul. Aber auch das ist Handballer-Leben: Nicht jede Regelwidrigkeit wird gesehen. Glückwunsch für heute an Post. Und: Das Rückspiel kommt.
Der BSV 93 Magdeburg laut Spielbericht: Felix Rademacher – Jonas Ahmed, Dominic Bock (5), John Luc Hahn, Tim Hampel (6), Michel Hohmann, Maximilian Pietsch (1), Finn Roediger (2), Louis Schneider (11 – 3), Jonas Wölkerling (2).  Trainer und Betreuer: Jens Wölkerling, Maik Hampel, Ole Paech, Philipp Heine.