Nordliga männliche Jugend C: Haldensleben siegt – BSV 93 vor schwieriger Saison-Schlussphase

Nordliga männliche Jugend C:
Haldensleben siegt – BSV 93 vor schwieriger Saison-Schlussphase
Text von Ole Holgerssohn / Foto: Thomas Pietsch

Den Handballern des BSV 93 Magdeburg steht in der Nordliga männliche Jugend C eine spannende wie schwierige Saison-Schlussphase bevor. In den letzten vier Spielen müssen die aktuell auf Tabellenrang fünf verankterten Magdeburger gegen den Erstplatzierten Barleber SC ebenso ran wie gegen die vor ihnen auf Platz drei und vier rangierenden Teams von Post Magdeburg und Lok Stendal. In dieser Konstellation Punkte zu holen wird alles andere als ein Spaziergang.
Beim Heimspiel gegen den HSV Haldensleben am Sonntag (5. März 2017) hatte es der BSV in der Hand, sich für die Schlussphase eine komfortable Ausgangsposition herauszuspielen – sich also erstens vom unmittelbaren Verfolger Haldensleben ein wenig abzusetzen und zweitens den Abstand auf Platz vier und drei zu minimieren.
Aber: Die Operation misslang. Der BSV verlor, wenn auch denkbar knapp mit 34:36 (14:18). In der Tabelle bleibt es somit dabei: Der BSV steht vorerst auf der Fünf, Haldensleben folgt auf Rang sechs. Zu Lok Stendal auf dem vierten Platz fehlen dem BSV drei Punkte, zum Drittplatzierten Post Magdeburg fünf Zähler.
Das Spiel gegen Haldensleben muss aus BSV-Sicht als insgesamt verstolpert klassifiziert werden. Die Magdeburger fanden nicht ihren Rhythmus, von einigen klangvollen Sequenzen abgesehen. Den Torhütern – nicht selten in der aktuellen Saison auch Zauberer vor dem Herrn – fehlte an diesem Tag das berühmte Harry-Potter-Gen.
Das Spiel begann wie viele zuvor. Ein Start-Sieg-Favorit war nicht auszumachen. Haldensleben ging mit dem Anwurf nach 19 Sekunden in Führung, nach gut einer Minute folgte der 2:2-Ausgleich für den BSV. Die Magdeburger legten zwei Tore nach: 4:2 nach knapp drei Minuten. Auf den BSV-Zuschauerrängen machte sich so etwas wie Optimismus breit. Aber Haldensleben – ebenso mit ansehnlicher Fan-Gemeinde angereist – steckte nicht auf, glich vielmehr in der fünften Minute mit 4:4 aus und erhöhte sogleich auf 4:5. Der BSV bekam einen ersten 7-Meter – und verwarf! Schockstarre!
Beim Stand von 5:8 gegen Magdeburg zog Trainer Jens Ziegler das erste Mal die Notbremse und nahm in der zehnten Minute eine Auszeit. Die Ansage schien gefruchtet zu haben. Eine Torhüter-Parade und ein BSV-Tor gab es nach dem Wiederanpfiff. Beim Stand von 8:9 zeigte Haldensleben nunmehr Nerven und beanspruchte in der 14. Minute eine Auszeit. Nur ein Tor Rückstand! Das BSV-Team schöpfte Kraft, die Fans Hoffnung: 10:11 in der 17. Minute. Der Ausgleich schien zum Greifen nah – und gelang dann doch erst einmal nicht.
In all die BSV-Euphorie mischten sich Abspielfehler und zu zögerliches Agieren vor dem Haldensleber Kasten. Irgendwie wurde der Beobachter den Eindruck nicht los, dass Magdeburg immer den kompliziertesten aller möglichen Wege suchte – und doch nicht fand. Hatten die Jungs etwa eine Wette zu laufen, wer die uncoolste Variante eines Torabschlusses doch noch erfolgreich würde meistern können? Wenn ja, so ging das Ding grandios in die Hose. Haarenraufen auf der Tribüne. Beim Stand von 14:18 ging es in die Pausenkabine. Aber noch war nichts verloren.
Die zweite Hälfte begann wenig erfreulich. Der BSV vergab den Anwurf, Haldensleben warf das erste Tor: 14:19. Doch dann waren da auch die lichten Momente. Die Magdeburger bekamen zurecht einige 7-Meter zuerkannt und verwandelten diese zumeist sicher. Der Torerückstand schmolz auf drei, zwei und einen Treffer. In der 42. Minute dann ohrenbetäubender Jubel und nicht enden wollender BSV-Trommelwirbel: 27:27-Gleichstand. Doch Haldensleben war nicht bereit, den Sieg noch aus den Händen zu geben. Zwar hieß es drei Minuten vor dem Schlusspfiff noch einmal 33:33-Patt. Doch der BSV griff irgendwie nicht zu. Haldensleben machte den Sack dann irgendwie endgültig zu. Dem 33:34 folgten das 33:35 und dem 34:35 der 34:36-Schlussstand.
Der BSV hat das Match verloren. Die Magdeburger liefen mitunter desorientiert übers Feld. Die gewohnt schnittigen Regieanweisungen des Trainers schienen an diesem Tag eher zu verwirren als denn für Ordnung zu sorgen. Woran konnte dies liegen? Zu vielen Spielern schienen ihre Positionen und Rollen ungewohnt bis fremd. Und doch setzten sich einige Spieler auch derart bemerkenswert in Szene, wie in der Saison bislang so nicht gesehen: Jonas Wölkerling etwa warf sensationelle 16 Tore, fünf davon vom 7-Meter-Punkt. Dominic Bock verwandelte sechs Bälle und Vincent Kruggel erzielte mit fünf Treffern eine persönliche Traumquote.
Haldensleben hat mehr Tore geworfen und war damit Sieger. Punkt! Und doch fiel auf, dass der Trainer der Haldensleber in einer nicht nur emotional entscheidenden Phase zwei Minuten vor Spielende nach dem 33:34 für die Gäste auf das Feld ging und dem Schiedsrichter kumpelhaft bis dankbar die Hand schüttelte. Was sollte die Geste auf dem Feld bedeuten? In der Schlussminute dann ein 7-Meter für Haldensleben, dessen Begründung durch das internationale Handball-Regelwerk mit bloßem menschlichem Auge nicht erkennbar war.
BSV-Aufstellung laut Spielbericht: Felix Rademacher, Maximilian Pietsch – Dominic Bock (6), John Luc Hahn (2), Tim Hampel (1), Simon Heise (1), Michel Hohmann, Vincent Kruggel (5), Jonas Wölkerling (16 – 5), Jonas Ahmed (3). Trainer und Betreuer: Jens Ziegler, Jens Wölkerling, Ole Paech, Kenneth Imm.