Nordliga Männliche Jugend C gegen HV Soplke/Mieste 30:26

Nordliga Männliche Jugend C:

BSV 93 beschert Solpke Mieste erste Saisonniederlage

Von Ole Holgerssohn

 

Die Saison in der Nordliga Männliche Jugend C geht in ihre Schlussphase. Und der BSV 93 dreht so richtig auf. Am Samstag (9. April 2016) sorgen die Magdeburger für eine mittelschwere Sensation. Vor heimischer Kulisse bescheren sie dem bislang punktverlustfreien Erstplatzierten HV Solpke Mieste seine erste Saisonniederlage. Nach 50 Minuten steht es in der Sporthalle des Einstein-Gymnasiums 30:26 für den BSV 93. Nicht nur die BSV-Anhänger stehen Kopf. Das Hinspiel in Mieste hatten die Magdeburger im vergangenen September noch mit 32:37 verloren.

 

Dabei schien die Partie laut Papier bereits vor dem Anpfiff so gut wie entschieden zu sein. Auf der einen Seite die Altmärker: Fünfmal 2001 Geborene und vier Spieler mit Geburtsjahr 2002. Auf der anderen Seite das im Schnitt um zwei Jahre jüngere C-II-Team des BSV mit zehn Spielern des Geburtsjahres 2003, genau einem 2002er und dem Youngster mit Geburtsjahr 2004. Und so waren die Altmärker Jungs anderthalb bis zwei Köpfe größer – einige von ihnen hatten ihre morgendliche Rasur vergessen. Doch die 12- und 13-jährigen im BSV-Dress taten das, was sie meist tun: Sie lächelten unschuldig und machten ihr Ding.

 

Zunächst sahen die Zuschauer eine weitgehend ausgeglichene Partie. Nach 57 Sekunden hieß es 1:0 für den BSV, doch nur wenige Sekunden später setzten die Altmärker einen erfolgreichen Konter und erhöhten in der Folge im Blindflug auf 2:1. Der BSV jedoch ließ sich nicht abschütteln und sorgte in der 3. Minute für den 2:2-Augleich. Keines der Teams konnte sich wirklich absetzen. Nach gut elf Minuten stand es 8:8. Mieste hatte bis dahin einen Sieben-Meter erfolgreich versenkt.

 

Doch dann drehte der BSV das erste Mal auf. Angriffe der Altmärker wurden frühzeitig gestört und vereitelt. Dem BSV gelangen teils spektakuläre Ballgewinne. Schnelle Konter machten die Magdeburger mordsgefährlich. Das Zusammenspiel der Mannschaft klappte nahezu tadellos. Leider landete nicht jeder BSV-Angriff wirklich im Mieste-Tor. Und so hieß es nach fünf Minuten totalem BSV-Turbo zwar 10:8. Der Abstand hätte aber auch gern um zwei bis drei Tore höher ausfallen können. Aber bereits der Zwei-Tore-Rückstand nervte den Trainer von Solpke Mieste maximal. Er machte seinem Ärger lautstark Luft und nahm in der 16. Spielminute eine Auszeit.

 

Bis zur 20. Minute bleibt es im Wesentlichen beim Tore-Abstand. Über 11:9 und 11:10 heißt es schließlich 12:10 und 12:11. Mietse wirft in dieser frühen Spielphase bereits alles nach vorn was aufzubieten ist – also auch den Tormann. Das wird den Altmärkern jedoch zum Verhängnis. Während im BSV-Kasten die Schlussmänner Matti Bittmann und Ole Paech einen geradezu blütenreinen Job machen, verzockt sich der weit in den Angriff aufgerückte Mieste-Keeper das eine und andere Mal. Das Ergebnis sind herrliche Bogenlampen in ein völlig nackiges Mieste-Tor. Der BSV prescht zunächst auf 15:11 davon. Eine Sensation liegt in der Luft, selbst wenn die Magdeburger in der verbleibenden Zeit bis zum Halbzeitpfiff noch zwei Gegentreffer kassieren müssen und selbst nur ein Tor werfen. In die Pausenkabine geht es mit einem 16:13-Vorsprung für den BSV. Entsprechend gereizt ist die Stimmung bei den Gästen.

 

Auch beim Anpfiff zur zweiten Hälfte sind die Altmärker noch auf 180. Die Schiedsrichter stellen kurz nacheinander zwei Feldspieler vom Feld. Der BSV lässt sich nicht beirren, spielt konzentriert und erhöht auf 18:14. Die Nerven bei den Gästen liegen endgültig blank. Für den Trainer gibt es eine „Gelbe“. Der Tormann schimpft fortwährend, vor allem aber sehr deftig und zu laut. Dafür hagelt es die dritte von insgesamt fünf Mieste-Herausstellungen. Der BSV kann seinen Vorsprung auf 20:14 ausbauen und hält diese Differenz von sechs Treffern weitgehend konstant bis kurz vor Spielende.

 

Die Gäste spielen zu diesem Zeitpunkt volles Risiko. Einen Tormann haben sie nicht mehr wirklich im Aufgebot. Und so kommt es nach 29 Minuten und 23 Sekunden zu folgender Oscar-reifen Szene. BSV-Schlussmann Ole wehrt einmal mehr einen Torwurf ab und gibt an den an der Torraumlinie wartenden Tim Hampel. Dieser dreht auf dem Fuß, nimmt das gut 30 Meter entfernte verwaiste Mieste-Tor ins Visier und zirkelt den Ball im hohen Bogen in das Eckige: 29:23 für den BSV. Die Schlussminuten sind noch etwas für die Statistik: Den Gästen gelingen drei Torwürfe, dem BSV noch einer. Insgesamt gibt es für jedes Team drei Strafwürfe, jeweils zwei werden verwandelt. Die Sensation ist perfekt. Der BSV siegt mit 30:26.

 

Besonders lauten Beifall und Chor-Gesänge gibt es, als Kenneth Imm in der 27. Minute seinen ersten Torwurf landet. Kenneth musste über mehrere Wochen wegen einer Handverletzung pausieren. Sein Comeback mit zwei Treffern darf als gelungen eingeschätzt werden.

 

Was im vergangenen Herbst zum Saisonstart von den BSV-Offiziellen als Testlauf ausgerufen wurde, hat sich längst zu einer Erfolgsgeschichte gemausert. Aktuell auf Tabellenposition fünf verortet, haben die Jungs des BSV 93 als Youngster in der C-Jugend der Nordliga längst mehr als ein Achtungszeichen gesetzt. Trainer Jens Ziegler und sein starkes wie treues Betreuerteam mit Dirk Heine, Dennis Roediger, Martin Kruggel und Heike Bertram haben ganze Arbeit geleistet – sie haben ungestüme Energie in erfolgreiche Bahnen gelenkt. Das I-Tüpfelchen aber setzt Woche für Woche ein unschlagbarer Fanblock – am Samstag wieder mit der Präsidenten-Pauke, rhythmisch geschlagen von Lukas Scheerenberg. Da bleibt kein Auge trocken.

 

Torschützen laut Protokoll: Philipp Heine (9, davon ein Strafwurf), Felix Scheerenberg (7, davon ein Strafwurf), Tim Hampel (5), Michel Hohmann (4), Jonas Scheerenberg (3), Kenneth Imm (2).