Nord-Liga mJC: Krimi pur: Drei rote Karten und auf Zielgeraden Siegtor – BSV 93 schnappt sich beide Punkte gegen Lok Stendal

Nord-Liga mJC:
Krimi pur: Drei rote Karten und auf Zielgeraden Siegtor –
BSV 93 schnappt sich beide Punkte gegen Lok Stendal

Text von Ole Holgerssohn / Fotos von Dana Hohmann 

Das war neu: Gleich drei rote Karten für den BSV 93 Magdeburg im Spiel der Nordliga männliche Jugend C gegen den HV Lok Stendal am Sonntag (04.12.2016). Und doch siegten die Magdeburger in einem Herzschlagfinale – wenn auch denkbar knapp – mit 29:28 (15:16).
Der BSV rangiert damit in der Tabelle mit 8:8 Punkten auf Position sechs, Stendal – mit bislang nur sieben Spielen – steht zwei Positionen dahinter auf Rang acht mit 4:10 Punkten.
Zum Spiel in der Magdeburger Einstein-Halle: Der BSV stolperte geradezu durchs Spiel. Der erste Angriff misslang, so dass Lok Stendal nach nur 45 Sekunden mit 0:1 in Führung gehen konnte. Auch der zweite, dritte und vierte Torwurf der Magdeburger Jungs ging daneben, an die Latte oder wurde schlicht vom Stendaler Schlussmann ohne Mühe gehalten. So hieß es 0:4 für Stendal nach gut vier Minuten. Schock pur.
Dann endlich, nach fünf Minuten, das erste Tor für den BSV, geworfen von Louis Schneider. Sollte das der Befreiungswurf geworden sein? Weit gefehlt. Die Nerven auf BSV-Seite schienen bereits jetzt blank zu liegen. Logische Folge: Nach nicht einmal sechs Minuten gab es die erste Zeitstrafe gegen Magdeburg. Wer? Ja, Tim Hampel.
Das Spiel blieb wie es begonnen hatte – aus BSV-Sicht verkorskt. Schlechtes Abspiel, unglückliche Latten- und Pfostenwürfe, ein souveräner Schlussmann im Stendaler Kasten. Die Altmärker zeigten den Hauptstädtern, was eine Harke ist.
Der Drei- und  Vier-Tore-Vorsprung zugunsten der Gäste wollte einfach nicht schmelzen. An der Seitenlinie machte sich zudem Ungeduld breit. Trainer Jens Ziegler bekam in der 11. Minute eine gelbe Karte. Wofür? Für den Beobachter nicht wirklich klar. Der Trainer hatte das Handball-Regelwerk offenkundig anders gelesen als der Schiedsrichter.
Fünf Minuten vor Ende der ersten Halbzeit beim Stand von 9:13 für Lok Stendal zog der BSV die Karte mit Namen Auszeit. Wirkung? Ja – endlich, sie war erkennbar. Der BSV verkürzte mit vier Würfen in Folge auf 14:15. Dann aber gab es eine weitere Herausstellung gegen Magdeburg und Stendal verwandelte den dazu anerkannten 7-Meter saucool. Der BSV hingegen vergeigte im direkten Gegenzug einen 7-Meter. Mit einem Tor Rückstand gegen Magdeburg beim Stand von 15:16 ging es in die Kabine.
Die zweite Halbzeit schien zunächst eine Blaupause der ersten 25 Minuten zu werden. Der BSV knallte gegen den Pfosten, direkt in den Schoß des Stendal-Tormanns, an die Latte, beging Schrittfehler, vergeigte Zuspiele. Aber: Auch Stendal spielte zunehmend unkonzentriert. Es blieb über weite Strecken beim Ein- und Zwei-Tore-Abstand zugunsten von Stendal. Die Gäste spürten, dass es eng und enger wurde. In Minute 40:15 nahm das Gästeteam eine Auszeit, verwarf unmittelbar danach einen 7-Meter und musste in Minute 42:17 mit ansehen, wie der BSV ENDLICH seinen ersten Ausgleich des Spieles zum 25:25 warf.
Auf beiden Seiten Nervosität pur. Für beide Teams hieß es, alles oder nichts. Stendal warf das nächste Tor zum 25:26. Dann der Brüller: Es gab „Rot“ für den BSV-Coach. Warum? Laut Spielbericht soll nach Regelwerk ein grob unsportliches Verhalten Auslöser gewesen sein. Nicht nur der hier schreibende Spielbeobachter hatte vernommen, dass der BSV-Trainer vom Offiziellen lediglich eine zuvor gegen den BSV gefallene Entscheidung hatte begründet haben wollen. Dies – zugegebener Weise – trug der Trainer in der ihm eigenen Art hartnäckig und in unmissverständlichem Vokabular und entsprechender Lautstärke vor. Das Spiel musste für mehrere Minuten unterbrochen werden. Offenkundig hatte der Schiedsrichter die Tragweite seiner Entscheidung nicht wirklich bedacht. Auch schien es so, als habe der zweite Offizielle eine andere Sicht auf die Dinge. Aber: Rot blieb Rot. Ziegler musste auf die Empore.
In Minute 45:46 gab es mit 28:28 den zweiten Ausgleich. Die Halle tobte. Stendal nahm noch einmal eine Auszeit. Der BSV 93 beantwortete diese mit einem Tor. 29:28 für den BSV. Die erste Führung überhaupt, erzielt von Dominic Bock. Es folgten in der Reihung eine weitere Rot-Herausstellung für den BSV, ein verworfener 7-Meter für Stendal, ein verkorster Gegenangriff des BSV und schlussendlich ein misslungener Finalwurf der Stendaler.
Wahnsinn: Schlussstand 29:28 für den BSV. Die Halle tobte. Die Magdeburger feierten ihre Mannschaft und zollten den Stendalern mehr als den üblichen sportlich fairen Respekt. Die Altmärker hatten sich teuer verkauft. Und sie hatten viele und zudem bis in die Schlussminute sympathische Zuschauer mitgebracht. Auch aus dieser Pespektive handelte es sich um ein besonderes Spiel.
Das offizielle Spielprotokoll vermerkt für beide Team jeweils drei Verwarnungen, elf Herausstellungen für den BSV, fünf Herausstellungen für Stendal sowie für die Magdeburger – kein Witz – rote Karten für zwei Spieler und den Trainer. Das Spiel selbst gab für derart viele Sanktionen aus Beobachtersicht keinen Anlass. Schade. Unnnötig. Sorry. Das noch: Stendal bekam sieben (!!!) Strafwürfe zuerkannt, verwandelte drei. Der BSV sollte keinen Strafwurf zuerkannt bekommen.
BSV-93-Aufstellung laut Spielbericht: Felix Rademacher – Jonas Ahmed (4), Dominic Bock (1), John Luc Hahn, Tim Hampel (5), Simon Heise, Michel Hohmann (2), Vincent Kruggel (1), Maximilian Pietsch, Lukas Reimann, Louis Schneider (13), Jonas Wölkerling (3). Trainer und Betreuer: Jens Ziegler, Jens Wölkerling, Matti Bittmann, Felix Scheerenberg