Handball Nord-Liga mJC
Top-Halle und Geister-Stimmung: Besonderes BSV-Spiel in Klötze

Text von Ole Holgerssohn / Fotos von Dana Hohmann und Martin Kruggel
Mit zwei Punkten ist der BSV 93 Magdeburg am Samstag (24.09.2016) von seinem Auswärtsspiel der Handball-Nordliga männliche Jugend C aus der Altmark zurückgekehrt. Die Magdeburger bezwangen den VfB 07 Klötze letztlich deutlich mit 33:25. Zur Halbzeit hieß es 16:12 für Magdeburg.
Der Sieg war nicht selbstverständlich und erst recht kein Selbstläufer. Aber der Reihe nach, denn das Spiel und seine Rahmenbedingungen müssen als zumindest sehr bemerkenswert klassifiziert werden. Die erste Aufregung gab es schon vor dem Anpfiff: Der BSV-Tross hatte die rund 90 Kilometer lange Tour über die Dörfer nach Klötze ohne Spielerpässe angetreten. Es gab lange Gesichter, vor allem aber ein sportlich-faires Entgegenkommen der Klötzer. Sie akzeptierten, dass jeder einzelne BSV-Spieler sein Geburtsdatum notiert und ein Abgleich mit den Spielerpässen erst im Nachgang erfolgt.
Die zweite Überraschung bot sich in der Zinnberghalle selbst, einer nach 1990 errichteten modernen Mehrzwecksporthalle. Auf der Bank des VfB 07 Klötze saßen sechs Spieler – ein Tormann und fünf Feldspieler, keine vollständige Mannschaft also, keine Auswechselreserve! Und der Klötze-Fanblock? Zu Spielbeginn war dieser fast leer. Ein Hauch von düsterer Geister-Stimmung durchzog die helle Neubau-Halle. Für die gewohnt zahlenstark mitgereisten Magdeburg-Fans war klar, man würde sich mit den üblichen BSV-Gesängen heute mehr als zurückhalten. Auch das war ein Gebot der Fairness.
Zum Spiel selbst: Neben der Nachricht vom Sieg muss unbedingt voranstehen, dass Finn Rödiger nach langwieriger komplizierter Krankheit in Klötze seinen lang ersehnten ersten Einsatz hatte und glatt ein Tor werfen konnte, und dass Neuzugang Maximilian Pietsch in seinem zweiten Spiel ebenfalls seine ersten beiden Tore verbuchen konnte.
Der Anwurf erfolgte durch den BSV, das erste Tor aber warf Klötze. Als Weckruf für die Magdeburger schien das zu reichen. Die nächsten vier Tore gingen auf das Konto des BSV. Wer aber dachte, Klötze würde schnell die Luft ausgehen – auch angesichts der personellen Engpässe -, der wurde getäuscht. Vor allem aus der zweiten Reihe warfen die Altmärker den einen und anderen Ball erfolgreich ins BSV-Tor. So ließen sich die Magdeburger ihre Führung zwar niemals wirklich streitig machen, bis in die 18. Spielminute hinein konnten die Klötzer aber ihren Torrückstand immer wieder mit lediglich zwei Zählern klein halten. Erst nach dem 12:10 zog der BSV an und baute seine Führung innerhalb weniger Minuten auf 14:10 aus. Diesen Vier-Tore-Abstand konnte Magdeburg bis in die Halbzeit tragen. Beim Stand von 16:12 für den BSV ging es in die Pausenkabine. Das erste Tor nach dem Wiederanpfiff erzielte Klötze. Dann zog der BSV aber auf fünf, sechs und sieben Treffer davon. Der Schlusspfiff ertönte beim Stand von 33:25 für den BSV.
Unterm Strich siegten 13 BSV-Spieler gegen sechs Handballer aus Klötze, die in der zweiten Hälfte fast verzweifelt auf ihren Tormann verzichteten, um nach vorn mit ganzem Team agieren zu können. Das brachte einige Gegentreffer auf ein leeres Klötze-Tor ein. Die Magdeburger Jungs organisierten ihre Abwehr weitgehend kompakt, spielten nach vorn hin jedoch nicht durchgängig zupackend und konzentriert. Schlussmann Felix Rademacher hatte genug zu tun, brillierte einmal mehr mit einigen sehr erfolgreichen Paraden. Wohltuend registriert wurde auch der eine und andere überraschende BSV-Wurf aus der zweiten Reihe.
Für die Schiedsrichter gab es in Summe nur wenig zu tun – sieht man von einem aufgeregten Klötze-Coach einmal ab. Für beide Teams gab es je zwei Verwarnungen und eine Herausstellung. Kurios dabei: Bei Klötze musste ein Spieler das Feld zeitweise verlassen, weil sich der Trainer nach Schiedsrichter-Einschätzung unsportlich verhalten hatte. Klötze durfte einmal vom 7-Meter-Punkt werfen, der BSV zweimal. Alle Bälle landeten im Netz.
BSV-Aufstellung laut Spielbericht: Felix Rademacher im Tor, als Feldspieler Domenic Bock (5), Louis Schneider (5, davon ein 7-Meter), Michel Hohmann (4), Jonas Ahmed (4, davon ein 7-Meter), Jonas Wölkerling (3), Tim Hampel (3), John Luc Hahn (3), Vincent Kruggel (2), Maximilian Pietsch (2), Finn Rödiger (1), Simon Heise (1), Lukas Reimann. Trainer und Betreuer: Jens Ziegler, Jens Wölkerling.